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Bonitätsranking: Die TOP 250 Gemeinden 2022

Österreichs Top-10-Gemeinden 2022
Österreichs Top-10-Gemeinden 2022
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Österreichs Top-3-Gemeinden je Bundesland
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Österreichs Top 11 Gemeinden 2012-2022
Österreichs Top 11 Gemeinden 2012-2022

Beim nunmehr elften Bonitätsranking des KDZ – Zentrum für Verwaltungsforschung in Kooperation mit dem Gemeindemagazin „Public“ wird die finanzielle Leistungsfähigkeit aller Gemeinden aus einem Mix verschiedener Faktoren dargestellt. Basis dafür ist der KDZ-Quicktest, der ein seit Jahren in der Praxis bewährtes Kennzahlenset liefert: Dabei wird analysiert, ob eine Gemeinde einen ausreichenden finanziellen Spielraum hat, um ihre operativen Ausgaben zu decken und Investitionen zu tätigen. Neben dem laufenden Betrieb werden auch Investitionen, Investitionszuschüsse und die Verschuldung in die Analyse miteinbezogen. Mit den Kennzahlen nach differenziertem Notenschlüssel ergibt sich eine Gesamteinschätzung der finanziellen Entwicklung einer Gemeinde.

Bei einem schnellen Blick auf das Top-250-Ranking entsteht der Eindruck, dass vor allem kleinere bzw. mittlere Gemeinden sowie Gemeinden aus den Bundesländern Oberösterreich und Salzburg besonders gute Platzierungen erreichen. So befinden sich im Ranking 2022 auf den ersten zehn Plätzen sieben Gemeinden mit 1.001 bis 5.000 Einwohner*innen (EW) sowie vier Gemeinden aus Oberösterreich und drei Gemeinden aus Salzburg.

Selbst auf den ersten 50 Plätzen finden sich nur acht Gemeinden mit bis zu 1.000 EW und sechs Gemeinden mit mehr als 5.000 EW, wobei nur zwei Gemeinden mehr als 10.000 EW haben, d.h. 36 Gemeinden haben 1.001 bis 5.000 EW. Außerdem sind 14 Gemeinden der Top 50 aus dem Bundesland Salzburg und 11 Gemeinden aus dem Bundesland Oberösterreich. Auch hier entsteht der Eindruck, dass vor allem kleinere bzw. mittlere sowie Gemeinden aus den beiden genannten Bundesländern die Top-Platzierungen erreichen und somit überrepräsentiert sind.

Anzahl der Gemeinden nach Größenklasse und Bundesland, Stand 2020
Anzahl der Gemeinden nach Größenklasse und Bundesland, Stand 2020

 

 

Dabei zeigt sich, dass es vor allem in den Größenklassen mit 1.001 bis 2.500 EW bzw. 2.501 bis 5.000 EW mit 949 bzw. 471 die meisten Gemeinden gibt. Genauso hat das Bundesland Oberösterreich mit 438 die zweitmeisten Gemeinden.

Da es mehr kleine als große Gemeinden gibt, sind auch im Ranking mehr kleine (31 Gemeinden mit bis zu 1.000 EW) als große (sechs Gemeinden mit über 10.000 EW) Gemeinden im ersten Dezil, d.h. im ersten Zehntel der Gesamtheit aller Gemeinden, enthalten. In relativen Zahlen sind die genannten Gemeindegrößen mit 7,4 Prozent bzw. 7,1 Prozent ihrer Größenklasse im ersten und damit besten Dezil ähnlich hoch repräsentiert.

Auch für Gemeinden mit 1.001 bis 5.000 EW, die in den Top 10 bzw. Top 50 stark vertreten sind, zeigt sich ein ähnliches Bild. Diese Gemeinden sind im ersten Dezil mit rund 11 Prozent ihrer Größenklasse vertreten, was keine wesentliche Überrepräsentation darstellt.

Betrachtung nach Bundesländern

Die besten Bonitätswerte weisen die Gemeinden in Salzburg und im Burgenland auf. In Salzburg finden sich 25 Prozent, d.h. ein Viertel der Gemeinden im ersten Dezil, mehr als ein Drittel im obersten Fünftel sowie lediglich acht Prozent im untersten Fünftel. Dies bestätigt den hohen Anteil der Salzburger Gemeinden in den Top 10 und Top 50, wie am Beginn des Artikels erwähnt, obwohl es im Bundesland Salzburg nur 119 Gemeinden gibt. Dieses positive Bild der Salzburger Gemeinden ist der hohen Finanzkraft durch die hohen Ertragsanteile - aufgrund des höheren Steueraufkommens - sowie den gemeindeeigenen Steuern - aufgrund der Wirtschaftskraft – geschuldet. Die Transfers sind im Bundesland Salzburg in den letzten Jahren aufgrund landesinterner Reformen geringer angestiegen. Weiters führt der Bevölkerungszuwachs zu steigenden Einnahmen.

Im Burgenland sind neun Prozent der Gemeinden im ersten Dezil, ein Viertel der Gemeinden sind im obersten Fünftel und nur acht Prozent im untersten und damit schlechtesten Fünftel. Im letzten Dezil befinden sich nur drei Prozent der burgenländischen Gemeinden. Die Ursachen liegen für die burgenländischen Gemeinden nicht in der Finanzkraft, die im Österreichvergleich relativ gering ist. Sie liegen insbesondere in den sehr geringen laufenden Transferzahlungen an das Land. So müssen von den Gemeinden beispielsweise für die Krankenanstalten zehn Prozent des Betriebsabgangs getragen werden. Ein weiterer Grund für das gute Abschneiden der burgenländischen Gemeinden sind die geringen Personal- und Sachausgaben.

Die geringsten Bonitätswerte weisen die Gemeinden in Kärnten auf. In Kärnten sind 0,8 Prozent der Gemeinden im ersten Dezil, zwei Prozent im obersten Fünftel sowie rund 45 Prozent der Gemeinden im schlechtesten Fünftel. Die Ursachen dafür liegen in der geringeren Finanzkraft aufgrund weniger Ertragsanteile sowie gemeindeeigene Steuern und strukturellen Problemen aufgrund der stagnierenden Bevölkerungszahl sowie sehr hoher Transferzahlungen an das Land.

In Vorarlberg sind acht Prozent der Gemeinden im ersten Dezil, 11 Prozent im obersten Fünftel und etwa ein Drittel der Gemeinden im untersten Fünftel. In der Steiermark sind acht Prozent der Gemeinden im ersten Dezil, 14 Prozent im obersten Fünftel und rund ein Drittel der Gemeinden im untersten Fünftel. In beiden Bundesländern sind etwa zwei Drittel der Gemeinden in der unteren Hälfte zu finden.

Anteil der Gemeinden nach Bundesland in den einzelnen Dezilen
Anteil der Gemeinden nach Bundesland in den einzelnen Dezilen

 

In den anderen Bundesländern zeigen sich unterschiedliche Trends. In Oberösterreich sind die Gemeinden mehrheitlich in der oberen Hälfte. In Niederösterreich und Tirol sind die Gemeinden nahezu gleichmäßig auf die obere bzw. untere Hälfte aufgeteilt.

Zusammenfassend zeigt sich, dass die Bonität bzw. wirtschaftliche Leistungsfähigkeit von einer Vielzahl von Faktoren abhängen:

  1. Wirtschaftskraft – bestimmt die Höhe der gemeindeeigenen Steuern wie auch der Ertragsanteile;
  2. Primärer Finanzausgleich – bestimmt die Höhe der Ertragsanteile;
  3. Demografische Entwicklung – führt zu höheren oder niedrigen Ertragsanteilen, hat auch Auswirkungen auf die Ausgabenseite;
  4. Transferpolitik in den einzelnen Ländern – während die oberösterreichischen Gemeinden 576 Euro je EW und die Vorarlberger Gemeinden 560 Euro je EW an Krankenanstalten-, Landes- und Sozialhilfeumlagen zahlen müssen, tragen die burgenländischen bzw. steirischen Gemeinden rund 317 bzw. 308 Euro je EW;
  5. Gemeindemanagement – dies hängt von der Kompetenz und Bereitschaft für eine zukunftsorientierte Ausrichtung in den einzelnen Gemeinden ab.

Weitere Informationen zum Top-250-Ranking, sowie die Auflistung sämtlicher Gemeinden des Rankings, finden Sie in der aktuellen Sonderausgabe des Gemeindemagazins Public und auf deren Website.

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Amtsleiterin Petra Holl | Oberalm
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Mag. Thomas Wolfsberger | Finanzdirektor der Stadt St. Pölten
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